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Card Captor Sakura ~ Interview

Wie hat dieser Megahit eigentlich das Licht der Welt erblickt? Wir haben CLAMP ausführlich befragt! Von den Geheimnissen der Geburt des Werks, bis hin zur Vorgehensweise beim Erschaffen der Charaktere. Was CLAMP in Card Captor Sakura zeichnen wollten, aber niemals zeichneten... In diesem zweiteiligen Interview könnt ihr all das erfahren! Einschließlich der Insidergeschichten, die jetzt endlich ans Licht kommen...

FRAGE: Können sie schildern, wie es dazu kam, dass Card Captor Sakura als Fortsetzung erschien?
OHKAWA: Als Magic Knight Rayearth, das Werk vor CCS, sich der letzten Folge näherte, kam Nakayoshi auf uns zu, um über die nächste Serie zu sprechen. Ich hatte Absicht, diesmal eine "niedlichere" Geschichte mit einer etwas jüngeren Hauptfigur zu schaffen, und das war der Anfang.
FRAGE: Eine etwas jüngere Hauptfigur... Sie wollten also von Anfang an eine Story für Mädchen im Grundschulalter schaffen?
OHKAWA: Das vorher war ja eine Story über Mittelschüler, also wäre es nett, wenn es diesmal um Grundschüler ginge... Zumindest tendierte ich in diese Richtung. Ich habe mich für Viertklässler entschieden, weil ich das Gefühl hatte, dass Drittklässler zu ung, Sechstklässler zu sehr mit ihren Prüfungen beschäftigt und Fünftklässler keine Kinder mehr wären. Viertklässler erschienen mir ideal: Sie sind Kinder, aber sie haben schon etwas von Erwachsenen an sich.
FRAGE: Weshalb haben sie das Setting des "Card Captors" gewählt?
OHKAWA: Von Anfang an sollte es um ein Mädchen gehen, das magische Kräfte besitzt. Allerdings wollte ich diese magischen Kräfte beschränken. Es sollte keine Magie sein, bei der ein Zauberstab alles möglich macht. Die Magie sollte einer gewissen Gesetzmäßigkeit unterworfen sein. Deshalb habe ich mich entschieden, die Karten zu verwenden. Denke ich wenigstens. Mein Gedächtnis ist da nicht mehr ganz frisch (lacht).
FRAGE: Es hat also nichts damit zu tun, dass sie Karten besonders mögen...?
OHKAWA: Nein, hat es nicht, Ich habe auch keine Karten gespielt. Nur die Tarot-Karten haben mich möglicherweise etwas beeinflusst. Irgendwo habe ich damals ein wunderschön gestaltetes Tarot gesehen.
IGARASHI: Später kam möglicherweise etwas Einfluss von Magic: The Gathering [AdÜ: Kartentauschspiel] hinzu. Das war damals in Japan gerade sehr im Gespräch. Wir haben das Spiel selbst nie gespielt, allerdings haben wir die Karten einmal gesehen und fanden sie alle sehr schön.
OHKAWA: Ja, das stimmt, aber ich glaube, am größten war doch der Einfluss der Tarot-Karten. Es waren unglaublich detailreiche und schöne Karten. Das Design der Clow Cards geht ja auch etwas in die Richtug von Tarot-Karten.
FRAGE: Waren Design und Inhalt der Clow Cards denn von Anfang an fertig?
OHKAWA: Bevor die Veröffentlichung von CCS anfing, waren die Karten in einem gewissen Umfang fertig, allerdings nicht alle. Es war ungefähr so, dass der Rahmen auf der Vorderseite und das Muster auf dem Kartenrücken von Anfang an fertig waren, der eigentliche Inhalt der Karten aber erst nach der jeweiligen Handlung festgelegt und dann von Mokona gestaltet wurde.
FRAGE: Die Mehrzahl der Clow Cards sind weiblichen Charakters. Hat das einen besonderen Grund?
OHKAWA: Vielleicht, weil ihr Schöpfer, Clow Lead, ein Mann war und deshalb weibliche Karten geschaffen hat.

Wieso der Titel von CCS bis zum Schluss ein Problem war...

FRAGE: Wie fiel die Entscheidung, die Serie Card Captor Sakura zu nennen?
OHKAWA: Weil es um ein Magical-Girl ging, wollte ich einen Titel, in dem der Name der Hauptfigur Verwendung findet. Allerdings hatte ich kaum brauchbare Einfälle. Der Name Skura stand schon fest, aber was davor oder danach kommen sollte, hat mir ziemliche Probleme bereitet. Am Ende kam die Entscheidende Idee von Nekoi.
NEKOI: Ich habe einige Wörter herausgesucht und sie wie in einem Puzzle zusammengesetzt (lacht). Aber so lange hat es auch wieder nicht gedauert. Einige Stunden, vielleicht einen Abend? Am Ende haben wir gemeinsam verschiedene Vorschläge durchgesprochen und uns dann für einen entschieden.
MOKONA: Ja, genau so war es.
IGARASHI: Sagen wir lieber, der Redaktionsschluss stand kurz bevor (lacht)! Vor der Veröffentlichung sollte in der Redaktion ein Logo für uns entworfen werden. Am Ende war die Zeit aber so knapp, dass wir das Logo selbst entworfen haben.
FRAGE: Tun sie sich generell schwer mit Titeln?
OHKAWA: Ja, mir geht es jedes Mal so. Ich bin wirklich nicht besonders gut darin. Der Titel kommt immer ganz zum Schluss. Von den Titeln unserer Werke jüngerer Zeit stammt auch keiner von mir.
FRAGE: Was haben sie getan, nachdem die grundsätzliche Ausrichtung des Werks feststand?
OHKAWA: Als Nächstes haben wir die Figuren festgelegt. Zuallererst die Hauptfiguren Sakura, Tomoyo, Toya und Yukito. Shaolan entstand auch ziemlich früh.
IGARASHI: Shaolan gab es schon eine ganze Weile, bevor er dann tatsächlich seinen ersten Auftritt hatte.
MOKONA: Ja, er war schon beim allerersten Figuren-Setting dabei. Damals waren die fünf einschließlich Sakura dabei und Kero-chan.
NEKOI: Kero-chan hat sich aber ganz schön verändert (lacht).
OHKAWA: Am Anfang sah er ganz anders aus. Shaolan gab auch ein ganz anderes Bild ab. Das Design an sich hat sich nicht so sehr geändert, eher die Mimik. Und sein Charakter war anfänglich auch anders. Eine Weile wollte ich auch, dass er ein japanischer Junge ist. Wie hieß er doch gleich? Der Sohn deiner jüngeren Schwester?
MOKONA: Koshi-kun.
OHKAWA: Ja, richtig. Sakura ist übrigens der Name der ältesten Tochter von Mokonas jüngeren Schwester. Deshalb sollte der Junge auch nach dem Sohn ihrer Schwester benannt werden (lacht). Als das Konzept dann dahingehend geändert wurde, dass er aus dem Ausland kommt, habe ich den Namen in Shaolan geändert.
MOKONA: Ohkawa ist die Patin der Kinder meiner Schwester.
OHKAWA: Als es hieß, dass wir den Namen des Kindes aussuchen sollten, sagte ich: "Wie wäre es mit Sakura-chan?" Nur die chinesischen Schriftzeichen, mit denen der Name geschrieben wird, sind andere. Die Schreibweise der Sakura von Ohkawas Schwester ist so schwierig, dass sie Grundschüler nicht lesen können.

"Ich fand diesen Namen unglaublich niedlich und wollte ihn unbedint irgendwann verwenden..."

FRAGE: Bei Rayearth wurden die Namen nach gewissen Regeln vergeben, war das bei CCS denn genauso?
OHKAWA: Na ja, es beschränkt sich darauf, dass Sakuras (Kirschblüte) Vater, Mutter und Bruder ebenfalls nach Blumen oder Blüten benannt sind. [AdÜ: Name der Mutter "Nadeshiko" = Nelke, die Namen von Bruder und Vater enthalten die Schriftzeichen für Pfirisch(-blüte) bzw Glyzinie] Ansonsten haben wir die Namen vor allem leicht verständlich und leicht lesbar gehalten. Der Name Yukito gehörte zu einer ganzen Reihe niedlicher Namen, die Nekoi mir einmal gezeigt hatte...
NEKOI: Yukito, Hanato und so weiter...
OHKAWA: Als ich den Namen sah, fand ich ihn unglaublich niedlich und wollte ihn unbedingt einmal verwenden. Und die Figur Yukito ist so flauschig, deshalb dachte ich, dass der Name genau zu ihr passt [AdÜ: die chines. Zeichen von Yukito ergeben die Bedeutung "Schneehase"].
IGARASHI: Ein strenger Name hätte wirklich nicht zu ihm gepasst (lacht).
FRAGE: Gibt es eine Figur, bei der ihnen das Design Kopfzerbrechen bereitet hat?
OHKAWA: Das Design hat sich bei CCS für alle Figuren recht problemlos gefunden. Nur die Mimik hat sich gegenüber dem ersten Setting erheblich verändert.
MOKONA: Nachdem die Story erst einmal in Gang gekommen war, hat sich die Mimik fortlaufend verändert...
OHKAWA: Besonders bei Shaolan, das habe ich ja bereits erwähnt, war es so, dass sich das ganze Setting zwischen dem Begin und seinem ersten Auftreten verändert hat. Deshalb ist auch seine Mimik eine völlig andere geworden. Als die Serie anlief, war klar, dass es ein Schüler sein würde, der aus dem Ausland an Sakuras Schule wechselt, aber aus welchem konkreten Land er kommt, war nicht entschieden. Es wurde eben einiges angepasst und abgestimmt, nachdem die Story sich etwas entwickelt hatte.
FRAGE: Zuerst wurde Sakura geschaffen, aber wer kam als Nächstes?
OHKAWA: Das war Tomoyo-chan... glaub ich. Dann kam Shaolan. Allerdings haben wir Kero-chan zusammen mit Sakura geschaffen. Wir wollten ein Maskottchen, wie es zu einem Magical-Girl nun mal dazugehört. Nekoi hat da einige Vorschläge gemacht.
NEKOI: Ja, so eine Art Hund oder Eichhörnchen waren auch im Gespräch.
OHKAWA: Außerdem habe ich mir noch verschiedene Muster zeigen lassen und dann die Figuren nach und nach festgelegt.

"Das Magical-Girl-Thema war für uns etwas Ungewöhnliches, eine Herausforderung."

FRAGE: Vorhin sagten Sie, dass CCS eine Magical-Girl-Geschichte werden sollte. Gibt es ein bestimmtes Werk, das sie dazu motiviert hat?
OHKAWA: Nicht speziell. Ehrlich gesagt, hatte ich mir die typischen Magical-Girl-Serien noch gar nicht mal richtig angeschaut. Vielleicht hatte ich mal ein oder zwei Folgen einer TV-Serie gesehen. Als ich noch klein war, habe ich mir nur Filme mit Spezialeffekten angeschaut (lacht). Aber vielleicht wollte ich mich gerade deshalb einmal an so etwas heranwagen. Einfach um zu sehen, was dabei herauskommt. Die Sachen wie das Maskottchen und den Zauberstab habe ich natürlich hineingetan, weil mir bewusst war, dass das einfach dazugehört, aber Leute, die sich damit auskennen, haben mir versichert, dass CCS schon um einiges anders ist als die normalen Magical-Girl-Geschichten.
FRAGE: Gibt es denn sonst ein Werk oder ein Ereignis, das CCS beeinflusst hat?
OHKAWA: Nein, kein spezielles Werk, obwohl ich glaube, dass es dadurch beeinflusst wurde, dass wir damals ziemlich viele "harte", ernstere Sachen gezeichnet haben. CCS sollte eine andere, eine süßere Geschichte werden. Wir waren der ersten Themen vielleicht ein wenig überdrüssig geworden. Bei den anderen Werken war es wegen der Darstellung auch immer wieder zu Diskussionen mit den Chefredakteuren gekommen. Ich wollte mal etwas zeichnen, bei dem solche Probleme nicht auftauchen würden (lacht). Es sollte also ein süßer Comic werden, das war die wichtigste Bedingung, denke ich.
FRAGE: CCS besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen. Wie lange hat es gedauert, bis Sie die Struktur des Werks festgelegt haben?
OHKAWA: Nur einen Augenblick (lacht). Ich hatte schon vorher vage darüber nachgedacht. Als sich die Ausrichtung entschied, war der Grundriss der Geschichte schon fertig. Das mit dem Unheil, das "über die Welt kommt", die Probleme, die aufkommen würden, der Auftritt von Eriol und so weiter... Anfangs habe ich nicht daran gedacht, es in einen Abschnitt "Clow Cards" und einen Abschnitt "Sakura Cards" zu unterteilen. In der Redaktion wurde es dann für die Außenwelt so unterteilt, aber unter uns hing alles zusammen, war es das eine CCS. Wenn wir für etwas viel Zeit aufgewendet haben, dann eher für den konkreten Inhalt der einzelnen Episoden. Da es ein süßer Comic werden sollte, gab es die Einschränkung, dass es keine Szene geben dürfte, in der jemand stirbt. Damit zurechtzukommen, erwies sich als ziemlich schwierig.

"Karten und Kostüme bereiteten regelmäßiges Kopfzerbrechen."

FRAGE: Der Aktionsradius von Grundschülern ist bekanntlich nicht sehr groß. War es da nicht schwierig, einen geeigneten Ort für die Verstecke der Karten zu finden?
OHKAWA: Das hat mir eigentlich nicht so großes Kopfzerbrechen bereitet. Aus irgendeinem Grund waren sie halt immer und immer wieder in Tomoeda (lacht).
IGARASHI: Obwohl man das Gefühlt haben konnte, dass die Karten wirklich sehr weit wegflogen, als sie verstreut wurden.
NEKOI: Mit das größere Problem war jedes Mal, welche Karte verwendet werden und welche Kleider Sakura tragen soll.
OHKAWA: Tja, für die Kleider ist die Zeichnerin verantwortlich, also... Ich denke, es muss schlimm gewesen sein (lacht).
MOKONA: Ja, es war schlimm (lacht).
OHKAWA: Grundsätzlich sollten die Kleider natürlich zur Geschichte passen. Anfangs hatten wir einen gewissen Vorrat, aber weil Mokona irgendwann anfing, auch an den Kostümen für die Anime-Fassung zu arbeiten, war der Vorrat in Windeseile aufgebraucht.
FRAGE: Haben Sie Zeitschriften zu Rate gezogen?
MOKONA: Bei CCS eigentlich nicht. Allerdings habe ich Sachen aus meinem Umfeld als Motiv verwendet. Nicht zuletzt Tiere wie Katzen oder Schafe.
OHKAWA: Das Kostüm mit dem Katzenmotiv war ziemlich populär, glaube ich.
NEKOI: Tja, Katzenohren sind eben etwas Schönes (lacht)! Aber mit Hundeohren funktionierte es nicht. Hundeohren sind einfach nicht niedlich und die Kritiken waren dementsprechend nicht sehr freundlich.
MOKONA: Ein Mäusekostüm gab es auch, aber das sollte natürlich nicht zu realistisch aussehen, deshalb habe ich die Ohren entsprechend groß gemacht.
FRAGE: Haben sie noch andere schlimme Erinnerungen an CCS?
IGARASHI: Weniger "schlimm", sondern eher überraschend war es, dass in der Fassung, die in Nakayoshi erschien, eine Zeichnung vorkommt, in der Mokona abgebildet ist. In der Szene, in der Sakura sich Kero-chans wahre Gestalt vorstellt, ist aus Spaß eine riesenhaft vergrößerte Mokona abgebildet, so dass man zwangsläufig denken musste, dass Mokona noch als Figur in CCS auftreten würde. Für die Taschenbuchausgabe wurde die Szene korrigiert, indem Mokona durch einen riesenhaften, wilden Kero-chan ersetzt wurde.